Sie können die Seite in folgende Sprachen übersetzen:

Alphabet - lateinisch

5. Lateinisches Alphabet


Von den Griechen übernahmen die Römer (im 7. Jahrhundert vor Chr.) das Alphabet. Dabei sind sich die Wissenschaftler noch nicht einig,
  • ob die Römer - wie man früher annahm - die griechische Schrift unmittelbar von den Griechen (über griechische Händler, usw.) übernommen haben, oder
  • ob sie die Buchstabenschrift - wie die meisten Forscher heute meinen - von den Etruskern (einem nördlich von Rom in der heutigen Toskana lebenden Volk) gelernt haben, die die griechische Schrift schon vorher von griechischen Kolonisten im Süden Italiens übernommen hatten.
Jedenfalls stammt das lateinische Alphabet (sehr wahrscheinlich auf dem Umweg über die Etrusker) von dem griechischen Alphabet ab.

Auch hier wurden wieder (wie schon bei der Übernahme des phönizischen Alphabets durch die Griechen) einige Änderungen an dem Alphabet vorgenommen, um es an die lautlichen Besonderheiten der lateinischen Sprache anzupassen. Vgl. hierzu die nachstehende Übersicht. (oder diese wesentlich ausführlichere Übersicht).
Übersicht2

  • Die Buchstaben A, B, E, Z, J, K, M, N. O, T, X und Y sind mit den Griechischen identisch.
  • Bei den Buchstaben L, S, P, R und D wurden andere Buchstaben (letztlich nur optisch) umgeformt.
  • Die Buchstaben V, F und Q wurden aus dem Archaischen übernommen.

Im Einzelnen:

a.) Der Buchstabe F war das archaisch-griechische “Digamma” (“w” ausgesprochen, wegen seiner Form “Doppelgamma genannt). Das F hatten die Griechen zwar von den Phöniziern als Teil des phönizischen Alphabets mit übernommen, später jedoch nicht mehr benutzt, weil in ihrer Sprache kein Bedarf für den Buchstaben W bestand.

b.) Für den Lautwert W führten die Römer den Buchstaben V ein, den sie aus dem griechischen Y umbildeten (Y—> V), für den sie in ihrer Sprache keine Verwendung hatten.

c.) Für den lateinischen Lautwert Q übernahmen sie den archaisch-griechischen Buchstaben “Koppa” (phönizisch: kof), den die Griechen später ebenfalls nicht mehr verwandt hatten und der somit “frei” war.

d.) Interessant ist die Entstehung der Buchstaben C, G und K. Hierzu zunächst ein kurzer Rückblick:
Die Etrusker hatten den griechischen Buchstaben (für -g-) nicht benötigt, weil sie keine stimmhaften Verschlußlaute (wie [b], [d], [g]) in ihrer Sprache hatten, und deshalb die griechischen Symbole B und (für -b- und -d-) kurze Zeit nach der Übernahme des griechischen Alphabets aufgegeben (die Römer hatten B und D später jedoch aufgenommen).

Der (nicht benötigte) Buchstabe wurde jedoch beibehalten, weil die etruskische Sprache drei k-Laute aufwies, für die Schriftzeichen benötigt wurden. Man verwandte hierfür dann im Einzelnen:

  • Den griechische Buchstaben (für [g]) zur Darstellung des stimmlosen Verschlusses [k] vor den Vokalen e und i,
  • Das griechische K, um [k] vor a wiederzugeben, und
  • Das archaisch-griechische Symbol Q für [k] vor u. 

Die Römer (genauer: die Schreibkundigen in Latium) übernahmen nun zunächst alle 3 etruskischen Zeichen zur Darstellung des stimmlosen [k]. Im Laufe der Zeit wurde jedoch der Buchstabe  (ursprünglich das griechische C (Gamma)) benutzt, um lateinisches [k] in allen Varianten zu schreiben.

Zur Darstellung des Lautes für [g] (denn das , also das C wurde ja jetzt für K verwandt) “erfanden” die Schreiber einen neues Zeichen für den Laut [g], indem sie das C geringfügig abwandelten und ihn einen Strich hinzufügten. So entstand das G.

Das G wurde an die 7. Stelle im Alphabet gestellt, wo es den Buchstaben Z ersetzte, für den es im Lateinischen keine Verwendung gab und der deshalb nutzlos war.

Die beiden nutzlosen Buchstaben Y und Z wurden jedoch rund 600 Jahre später (im 1. Jahrhundert vor Chr.) wieder eingefügt, um die vielen Tausend griechischen Lehrwörter, die das Lateinische inzwischen aufwies, exakter schreiben zu können. Sie kamen an die beiden letzten Stellen des Alphabets.

6.  Heutiges Alphabet

Die Änderungen, die das lateinische Alphabet seit der römischen Zeit erfahren hat, sind relativ gering.

Im wesentlichen sind es auch hier wieder (geringfügige) Anpassungen an die phonetischen Bedürfnisse der Völker, die das Alphabet übernommen haben.

a.) Hierbei wurden z.T. Neubildungen vorgenommen.- Im westeuropäischen Sprachraum waren es im wesentlichen 3 Neubildungen, die bereits im Mittelalter erfolgten:
I --> J
V --> U
V V --> W

Die Herkunft des W aus dem verdoppelten V erkennt man z.B. noch an der französischen Bezeichnung für W: “Doppel-V” (Double-V, Aussprache: [dubbel-we])
b.) Ferner wurden teilweise auch Buchstaben miteinander kombiniert, um bestimmte Laute auszudrücken, die es in der lateinischen Sprache nicht gegeben hatte. Dabei bot sich vor allem der Buchstabe C an, der (vor allem im Deutschen) isoliert kaum noch benötigt wurde, weil seine Funktion im Laufe der Zeit vor allem vom Z übernommen worden war.
Buchstabenkombinationen mit C wurden vor allem zur Darstellung der (im Lateinischen weitgehend fehlenden) Rachenlaute und Zischlaute benutzt. - Beispiele:
Buchstaben-
kombination
Aussprache Beispiel
ch als weiches -ch- ich
ch als hartes -ch- acht
sch als Zischlaut Schule
c.) Und schießlich wurden - vor allem (aber nicht nur) in den osteuropäischen Sprachen - zusätzliche Symbole und Sonderzeichen  (diakritische Zeichen) eingeführt, um das Alphabet an die spezifischen sprachlichen Bedürfnisse anzupassen (z.B. das Cedille, die Tilde ~, die Doppelpunkte als Zeichen für Umlaute (ä, ü, ö),usw.).

Die geschilderte gesamte Entwicklung der Schrift vom phönizischen Alphabet über die griechische, etruskische und lateinische Schriftentwicklung bis hin zum heutigen modernen Aphabet wird in dieser Animation von R. Fradkin dargestellt.

7. Groß- und Kleinbuchstaben

Während des gesamten Altertums - bis weit ins Mittelalter hinein - verwandte man ausschließlich die oben dargestellten Großbuchstaben, die wir z.B. von römischen Inschriften auf Kirchen, antiken Sehenswürdigkeiten, usw. kennen.

Sämtliche griechischen und römischen Schriftsteller, Kaufleute, Gelehrte, Privatleute, usw. schrieben in Großbuchstaben (sog. Majuskeln), und zwar ohne Zwischenräume zwischen den Wörtern.

Das sah dann etwa so aus:

Römische Capitalis (Capitalis monumentalis), 1. Jh.

[Keine Beschreibung eingegeben]In Stein gemeisselte römische Grossbuchstabenschrift.
Diese römische Kapitalschrift bildete den
Ausgangspunkt für alle europäischen Schriften.

 

Capitalis rustica, 2. bis 5. Jh.

[Keine Beschreibung eingegeben]Eine hieraus hervorgegangene römische BuchschriftAuch Akzente und Häkchen (spiritus lenis, spiritus asper) gab es damals übrigens nicht. Erst Jahrhunderte später führten alexandrinische Grammatiker diese Zeichen ein, um die offizielle Aussprache des Griechischen zu sichern.

Es handelt sich um künstliche Hilfen, die anzeigen sollen, wie ein Buchstabe oder ein Wort ausgesprochen wird.
So zeigt z.B. im Altgriechischen ein nach rechts offenes Häkchen über einem am Wortanfang stehenden Vokal an, daß dieser “behaucht” ausgesprochen wird (also ha ... statt a..., Bsp.: “heureka” statt “eureka” - ich habs).
Und die Akzente zeigen z.B. an, welche Silbe eines Wortes betont wird.
Auch in den ältesten Handschriften des (in griechischer Sprache geschriebenen) Neuen Testaments fehlen Akzente, usw. völlig.

Die “kleinen” Buchstaben (a, b, c, d, ...) - Minuskeln - haben sich erst Tausend Jahre später aus den Großbuchstaben entwickelt. Sie sind sozusagen eine Erfindung des Mittelalters.

Der Wechsel von Groß- und Kleinbuchstaben, so wie wir ihn heute gewohnt sind, taucht erstmalig sogar erst im späteren Mittelalter auf.