Entwicklung der französischen Sprache
Die Geschichte der französischen Sprache läßt sich grob in 3 Perioden einteilen, wobei man die letzte Periode weiter unterteilen kann:
| Das Altfranzösische (L’ancien français) | 842 - ca. 1300 |
| Das Mittelfranzösische (Le moyen français) | ca. 1300 - ca. 1500 |
| Das Neufranzösische | ab ca. 1500 |
| Das Frühneufranzösische (Le français) de la Renaissance) | ca. 1500 - ca. 1600 |
| Das Neufranzösische (Le français moderne) | ab ca. 1600 |
| Das Französische der Gegenwart (Le français contemporain) |
Die Romanisierung Galliens vollzog sich in 2 Etappen:
1. Etappe: 125 - 118 v. Chr.: Eroberung Südgalliens
Mit der Gründung der Festung Aquae Sextiae (> Aix-en-Provence) im Jahr 122 v. Chr. und von Narbonne (118 v.Chr.) entstehen 2 bedeutende regionale Zentren. Unter Kaiser Augustus( 63 v. Chr. - 14 n. Chr.) wurden große Teile des Südens in der neuen Provincia Gallia Narbonensis administrativ zusammengefaßt. Die Romanisierung dieser Provincia (>Provence) wird die sprachliche Grundlage für die Herausbildung des Okzitanischen.
[Das Zeichen: > bedeutet in der Linguistik: wird zu ..., entwickelt sich zu ...]
2. Etappe: 58 - 51 v. Chr.: Eroberung Nordgalliens
Die Romanisierung des restlichen Galliens begann mit der Eroberung Nordgalliens durch Cäsar (De bello Gallico). Damit kam Gallien bis an den Rhein unter römische Oberherrschaft. Es werden neue Provincen (Aquitania, Belgica, usw.) und Städte (Lugdunum (>Lyon), Augusta Treverorum (>Trier)) gegründet.
Die Latinität dieser Provinzen wird die Basis für das sich herausbildende Französisch und seine Mundarten. Es begann eine etwa 400 Jahre dauernde Periode der Zweisprachigkeit (Bilinguismus). Zunächst übernahmen die mit den Römern kollaborierenden Oberschichten, dann aber auch die ländliche Bevölkerung allmählich das prestigeträchtige Latein als Verkehrs- und Umgangssprache . Im wesentlichen entzogen sich lediglich die geographisch schwer zugänglichen und sonst abgelegenen Gebiete (wie das Massif Central) noch längere Zeit der Romanisierung.
Bis zum Zusammenbruch des Römischen Reiches im Jahr 395 n. Chr. (Teilung in ein Westreich (Rom), das 456 n.Chr. vernichtet wurde, und ein Ostreich (Konstantinopel/Byzanz)) hatte sich die lateinische Sprache praktisch vollständig durchgesetzt. Es war Muttersprache, Umgangssprache und Verwaltungssprache. Die keltischen Dialekte wurden allenfalls noch - wie etwa heute das Baskische oder das Bretonische) in abgelegenen Randgebieten als Zweitsprache benutzt.
Einflüsse auf das Lateinische in dieser Zeit
Die vor der römischen Zeit in Gallien gesprochenen keltischen Dialekte gingen jedoch nicht vollständig unter, sondern hatten - wie nicht anders zu erwarten - einen erheblichen Einfluß auf das gesprochene Latein.
Mindestens 240 Wortstämme im Französischen - wahrscheinlich jedoch wesentlich mehr - stammen aus dem Keltischen. Dabei setzten sich in der städtisch-urbanen Kommunikation im allgemeinen die lateinischen Wörter durch, während in ländlichen Gebieten die keltischen Begriffe bewahrt blieben.
Hierzu einige Beispiele, wobei die Etymologie (Herkunft) von la roche streitig ist. Sämtliche Worte keltischen Ursprungs sind auch heute noch gebräuchlich. Sie stammen überwiegend aus dem Bereich des ländlichen Lebens.
Das Schema ist folgendes: Für die Produkte, die der keltische Bauer in der Stadt auf dem Markt verkaufen will, übernimmt er die lateinischen Namen; dagegen behalten die Nebenprodukte ihre keltischen Namen, die in das romanische übergehen. (Bsp: lat: le lait, le beurre - dagegen kelt. Ursprungs: la mègue die Molke)
| Keltisch | deutsch |
|---|---|
| la marne | Mergel |
| la grève | Sand |
| le roc, la roche | Fels |
| la galoche | Holzpantinen |
| la charrue | Pflug |
| le bouc | Ziegenbock (> le boucher, boucherie) |
| le mouton | Schaf |
| la borne | Grenzstein |
| le tonneau | Holzfass |
| l’arpent | Morgen (altes Feldmaß) |
| la lieu | Meile (vgl. banlieue - Vororte, Stadtrand, dessen erstes Element fränkisch ist) |
| la chêne | Eiche |
| le sapin | Tanne |
| quatre-vingts, quatre-vingts-dix, usw. |
Achtzig, usw. - Die Kelten zählten nicht im Zehner-, sondern im Zwanziger-System. Sie ging z.T. in das Französische über (4 x 20 = 80). Das Französische in Belgien und der Schweiz hat übrigens das Dezimalsystem konsequent durchgesetzt: septante, huitante, nonante |
» Nächste Seite: - Einfluß der german. Sprachen