Germanische Sprachen

Ursprung, Gliederung
„Germanen“ ist die Sammelbezeichnung für Stämme und Völker in Südskandinavien und im Bereich der unteren Elbe, die der indogermanischen Sprachfamilie angehörten, sich aber von den benachbarten, ebenfalls indogermanischen Kelten, Slawen, usw. durch Kultur, Religion und Sprache unterschieden.
Um etwa 500 vor Chr. hat sich das Germanische (auch Gemeingermanische genannt) aufgrund großer Veränderungen im Lautsystem und im Formenbau von den anderen indoeuropäischen Sprachen getrennt (erste – oder germanische – Lautverschiebung ). Bis zu dieser Zeit haben sich die Germanen bis an den Rhein und zu den deutschen Mittelgebirgen ausgebreitet.
Weitere Wanderungen führen zur Aufspaltung in verschiedene Stammesgruppen und entsprechende Stammesdialekte, die grob in 3 Gruppen geteilt werden:
Nordgermanisch, Westgermanisch und Ostgermanisch.
- Nordgermanen in Skandinavien, von wo aus sie später Island und die Faröer-Inseln besiedelten.
Die heutigen nordgermanischen Sprachen sind Dänisch, Norwegisch, Schwedisch und Isländisch (nicht auch Finnisch!). - Westgermanische Stämme und Sprachen. Hieraus sind u.a. Englisch, Friesisch, Niederländisch, Hochdeutsch und Niederdeutsch hervorgegangen.
- Ostgermanen (vor allem die Goten, Burgunder und Wandalen), die an der Oder und Weichsel siedelten und während der Völkerwanderung (unter dem Druck der eindringenden Hunnen) durch ganz Europa zogen, hierbei auch Rom eroberten und Reiche im Ganzen Mittelmeerraum (bis nach Tunesien) und am schwarzen Meer gründeten.
Die verschiedenen Zweige der germanischen Sprachfamilie sind somit das Resultat der Wanderungen germanischer Stämme, die im 1. Jahrtausend vor Chr. in Nordeuropa lebten.

Das Altgermanische ist im wesentlichen rekonstruiert, schriftliche Aufzeichnungen gibt es kaum, und auch nur aus wesentlich späterer Zeit.
Einige germanische Wörter sind uns von lateinischen Autoren überliefert, und skandinavische Runeninschriften finden sich ab dem 3. Jahrhundert nach Chr.
Unsere Kenntnisse über die Germanen verdanken wir vor allem römischen Schriftstellern, wie Caesar, Plinius, Tacitus, usw. Ihre Berichte enthalten auch einzelne germanische Begriffe (z.B . urus (Auerochse); glesum (Bernstein, vgl. deutsch „Glas“), ganta (Gans); sapo (Schminke, vgl. deutsch „Seife“)
Schriftliche Sprachzeugnisse gibt es erst aus relativ später Zeit. Das früheste erhaltene Schriftdenkmal ist die gotische Bibel des Bischofs Wulfila (um 350 n.Chr.). Angelsächsisch und Althochdeutsch sind seit dem 8. Jahrhundert belegt; die ältesten Formen der skandinavischen Sprachen datieren aus dem 12. Jahrhundert.
Bedeutung der germanischen Sprachen
Germanische Sprachen werden heute als Muttersprache von über 500 Millionen Menschen gesprochen, was vor allem auf die Folgen der Kolonisierung und die weltweite Bedeutung des Englischen zurückzuführen ist.
Wegen seiner Bedeutung wird die Entwicklung des Englischen vertieft dargestellt. hier
Insbesondere: Die deutsche Sprachgruppe
Die germanischen Sprachen, zu denen das Deutsche gehört, sind historisch und etymologisch ein Teil der indogermanischen Sprachfamilie, von der sie sich (nordwestwärts wandernd) in den letzten 1000 Jahren vor Chr. langsam zur Eigenständigkeit gelöst haben.
Eine (sehr schöne) graphische Übersicht über die zeitliche Entwicklung der deutschen Sprache seit 500 vor Chr. bis heute mit typischen Wortbeispielen findet sich hier (via: Etymologie entdecken).
Die Auseinandersetzung mit den Völkern, die sie auf ihrem weiten Wanderweg trafen, hinterließ auch tiefe Spuren im Lautbild ihrer Dialekte: Während der Ausbreitung von Südskandinavien bis zu den deutschen Mittelgebirgen (bis etwa 500 vor Chr.) gingen die Germanen zur Erstbetonung (d.h. Betonung der ersten Wortsilbe) über und entwickelten im Rahmen der sog. “ersten Lautverschiebung” neuartige Reibelaute, die ihren Sprachverwandten fremd waren und die ihre Sprachen bzw. Dialekte deutlich von denen der anderenidogermanischen Stämme unterschieden.
Eine zweite (isolierende) Lautentwicklung machten die Deutschen etwa 1.000 Jahre später durch (also etwa 500 nach Chr.), als sie sich in Mittel- und Süddeutschland neue Wohnsitze eroberten.
Diese “zweite Lautverschiebung” bildet den Übergang vom (rekonstruierten) Germanisch zum Althochdeutsch. Sie trennt die Aussprache der deutschen Mundarten von der der übrigen Germanenstämme, insbesondere von der englischen Gruppe, die die zweite Lautverschiebung nicht mitgemacht hat. Nun erst kann man von einer ”deutschen” Sprachgruppe reden.
in Kürze
Es gab also bei der Entwickung des Deutschen (vom Indoeuropäischen über das Germanische) 2 Lautverschiebungen:
- die erste (um 500 vor Chr.), durch die sich das Germanische von den anderen indoeuropäischen Sprachen abhob und eine eigene Sprachgruppe (die germanischen Sprachen) bildete
- die zweite (um 500 nach Chr.). durch die sich das Deutsche von den anderen germanischen Sprachen abhob und eine eigene Untergruppe (das Deutsche) bildete.
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