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Welt der Sprache

Interessantes

Beiträge zu unterschiedlichen, interessanten Themen:

1. Die 20 verbreitetsten Sprachen

12 der 20 Sprachen mit den meisten Muttersprachlern gehören zur indogermanischen Sprachfamilie. Viele wurden durch Kolonisierung verbreitet, wie z.B. Englisch, Spanisch und Portugiesisch.

Das Verhältnis zwischen Sprachen und Sprecherzahl ist extrem uneinheitlich. Die Sprachen mit großer Sprecherzahl dominieren das Gesamtbild.Zählt man die Sprecher der 270 Sprachen zusammen, die von mehr als 1 Mio. Menschen gesprochen werden, so sind dies mehr als 85 % der Weltbevölkerung.

Im Vergleich dazu macht die Gesamtsprecherzahl der fast 2.000 Zwergsprachen in aller Welt nicht einmal eine halbe Million aus! (vgl. hier)
Muttersprachler (in Mill.)
1. Chinesich 1.200   11. Deutsch 100
2. Englisch 570 12. Punjabi 80
3. Hindi 420 13. Javanisch 75
4. Spanisch 350 14. Bihari 70
5. Arabisch 220 15. Italienisch 65
6. Bengali 210 16. Koreanisch 60
7. Russisch 205 17. Telugu 55
8. Portugiesisch 180 18. Tamil 55
9. Japanisch 120 19. Marathi 50
10. Französisch 110 20. Vietnamesisch 50


2. Reden ist Silber, Schweigen Gold ?

Wann man sprechen und wann man schweigen soll, oder was ein bestimmtes Schweigen zu bedeuten hat, ist von Kultur zu Kultur sehr unterschiedlich.

Als Antwort auf die Frage: “Willst Du mich heiraten?” würde man im Deutschen und im Englischen ein Schweigen als Unsicherheit auffassen, im Japanischen dagegen als Zustimmung.

Stellt man einer Frau in Nigeria (auf Igbo, einer Niger-Kongo-Sprache mit 13 Millionen Sprechern) diese Frage, so bedeutet es Ablehung, wenn die Frau bleibt, und Einwilligung, wenn sie wegläuft ! - Da verstehe einer die Frauen!

Noch eine kurze juristische Anmerkung zu der geschilderten japanischen Sichtweise (der Autor der Webseite ist von Beruf Jurist):


Nach deutscher (und ganz allgemein: westlicher) Rechtstradition gilt im Rechtsverkehr - schon seit römischem Recht - grundsätzlich der Satz: “Schweigen bedeutet Ablehnung”. (außer im Rechtsverkehr zwischen Kaufleuten untereinander).

Wenn man also beispielsweise im Briefkasten ein Angebot über irgendwelche Gegenstände findet, muß man nicht etwa die betreffende Firma anschreiben und ihr mitteilen, daß man das Angebot nicht annehmen möchte. Es genügt, wenn man auf das Angebot nicht reagiert, also untätig bleibt.

Nach japanischem Rechtsverständnis ist dies völlig anders. Wenn ein Japaner ein Angebot macht, erwartet er, daß der andere Teil sich ausdrücklich äußert, wenn er das Angebot ablehnen möchte. Er empfindet es als unhöflich, auf eine Frage nicht zu antworten. Er erwartet eine Antwort, und sei es eine negative.

Diese Sichtweise und die völlig unterschiedliche sprachliche, kulturelle und mentale Tradition der Japaner im Verhältnis zu den westlichen Ländern führen immer wieder zu großen Schwierigkeiten bei kaufmännischen und juristischen Verhandlungen mit japanischen (und generell mit asiatischen) Partnern. Wenn ein japanischer Geschäftsmann einem europäischen Partner im Rahmen von Vertragsverhandlungen ein Angebot macht, und dieser äußert sich nicht dazu, betrachtet der Japaner das Angebot als angenommen und den Vertrag als abgeschlossen.

Wenn umgekehrt der westliche Geschäftsmann ein Angebot macht und der japanische Partner es ablehnt (weil Schweigen aus seiner Sicht ja Zustimmung wäre), so betrachtet der Europäer bzw. Amerikaner die Verhandlungen zu diesem Punkt damit als gescheitert, und geht zum nächten Punkt der Verhandlungen über. Er weiß - oder bedenkt - nicht, daß für den Japaner die Sache damit noch lange nicht abgeschlossen ist und dieser noch weitere, oft lange Verhandlungen von seinem Geschäftspartner erwartet !

Diese und andere Sprach- und Mentalitätsunterschiede zwischen den westlichen und den asiatischen Kulturen gestalten die Geschäftsbeziehungen oft sehr schwierig.


3. Wortstellungen

1. Wir sind es gewohnt, daß das Subjekt am Anfang eines Satzes steht, dann das Verb (Prädikat) folgt und danach das Objekt.
Schema: “Ich (Subjekt) liebe (Verb) sie (Objekt)” - sog. SVO-Stellung
Dies gilt in Hauptsätzen. In Nebensätzen erfolgt eine Drehung von Verb und Objekt. Hier verwendet das Deutsche die Wortstellung SOV.
Schema: Ich schenke ihr einen Ring, weil “ich sie liebe” - SOV-Stellung
2. Dies entspricht auch unserem Sprach- und Stilgefühl. - Allerdings besteht in den letzten rund 10 Jahren die deutliche Tendenz, diese SOV-Stellung zumindest in einigen Fällen (z.B. nach Sätzen mit “weil”) in die herkömmliche SVO-Stellung umzudrehen.

Wie aufmerksame Sprachbeobachter sicher bemerkt haben, sprechen seit einiger Zeit immer mehr Menschen nicht mehr nach dem Schema:
Ich schenke ihr Blumen, weil “ich sie liebe”.
sondern nach dem Schema:
... , weil ”ich liebe sie”.
Man mag diese Entwicklung (wie auch der Autor) zu Recht als Sprachschlamperei kritisieren.

Ein Zyniker würde sagen: “Man hat bei einigen Leuten immer das Gefühl, sie müßten nach dem Wort “weil” eine Pause einlegen, um sich die mit “weil” eingeleitete Begründung zu überlegen. Hierdurch entsteht dann eine kleine imginäre Pause , so daß es legitim ist, dann sozusagen wie mit einem Hauptsatz fortzufahren.” (Seitdem jedoch immer mehr Menschen so sprechen, habe ich mir diesen Satz aber wieder abgewöhnt.)

Aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen ist diese Entwicklung aber m.E. nicht mehr. Dafür hat sie sich bereits zu sehr durchgesetzt. Selbst Fernsehredakteure sprechen inzwischen so. - Kommentar überflüssig!

Außerdem gehören derartige Veränderungen zur üblichen Entwicklung einer Sprache, was man kaum steuern kann.

Und schließlich dient sie auch dazu, eine der vielen Ausnahmeregeln im Deutschen (“SOV nach weil”) zu beseitigen und dadurch die deutsche Sprache etwas regelmäßiger (und damit auch leichter erlernbar) zu machen. - Künftig also: “SVO nach weil”

Besonders schön klingt es aber trotzdem nicht.

3. Die SVO -Stellung gilt nicht nur in Deutschland. Fast alle indoeuropäischen Sprachen folgen diesem Schema. Insgesamt über 75 % aller Sprachen verwenden den SVO- oder SOV-Typ.

Alle 6 Wortstellungen, die logisch möglich sind, kommen auch tatsächlich vor. - Nachstehend eine kleine Übersicht:

                  Grundwortstellung

Wortstellungstyp

Beispielsprachen

SVO

“Kühe fressen Gras”

Deutsch, Englisch, Französisch, Chinesisch, Suaheli

SOV

“Kühe Gras fressen”

Hindi, Türkisch, Japanisch, Koreanisch

VSO

“fressen Kühe Gras”

klassisches Arabisch, Walisisch, Samoanisch

VOS

“fressen Gras Kühe”

Nur einige vereinzelte Sprachen in der Südsee, im Kaukasus und in Mittel- und Südamerika (sicher unter 0,1 %). Trotzdem ist es bemerkenswert, daß diese “exotischen” Wortstellungen sich überhaupt entwickelt bzw. erhalten haben)

OSV

“Gras Kühe fressen”

OVS

“Gras fressen Kühe”

Daneben gibt es Sprachen mit freier Wortstellung (u.a. Latein und viele andere indoeuropäische Ursprachen, außerdem z.B. Navajo, Quechua, Fore).
Zumindest für spezielle, insbesondere literarische Zwecke kommen sämtliche 6 denkbaren Wortstellungen auch im Deutschen in Hauptsätzen vor (die Klassifizierung in SVO, SOV, ... - Sprachen bezieht sich nur auf Hauptsätze):

SVO - Der Mann liebt die Frau
OVS - Den Müller sah ich als erstes, nicht den Meier
VSO - Befiehl du meine Wege
OSV - Die Kranken Todesgrausen packt (liter., Trakl)
SOV - Licht mit magnetischer Geißel die steinerne Nacht verdrängt (lit., Trakl)

4. OSV im Weltraum

Yoda





“Ein seltsames Gesicht du machst.

Dein Vater er ist.

Krank ich bin geworden.

Stark ich bin dank der Macht.”





Konstruktionen nach dem Muster “Objekt-Subjekt-Verb” sind sehr selten. Hier wurden sie dazu verwendet, um der Sprechweise des Jedi-Meisters Yoda im Film “Die Rückkehr der Jedi-Ritter” (1983) einen besonders eigentümlichen Charakter zu verleihen.

Es handelte sich somit – ähnlich wie bei dem obigen Beispiel von Trakl – letztlich um ein stilistisches Hilfsmittel.


5. Raser und heiße Kartoffeln

Warum erhöhen Menschen manchmal plötzlich das Sprechtempo?

Die linguistische Auswertung einer psych. Untersuchung kam zu dem Ergebnis, daß es 6 Hauptumstände gibt, unter denen Menschen beginnen, schneller zu sprechen:

  • Raser: Die Sprecher denken, sie würden gleich unterbrochen, und beschleunigen, um dem zuvorzukommen.
  • Heiße Kartoffeln: Die Sprecher stellen fest, daß sie gerade etws unangenehmes sagen, und und beschleunigen, um es so schnell wie möglich hinter sich zu bringen.
  • Flucht: Die Sprecher bemerken, daß sie etwas Unangenehmes oder Bedrohliches gesagt haben, und beschleunigen, um das unerfreuliche Thema möglichst weit hinter sich zu lassen.
  • Ablenkungsmanöver: Die Sprecher bemerken, daß ihre Äußerung falsch aufgefaßt werden könnte, und beschleunigen, wobei sie neue Themen anschneiden, die den Zuhörer ablenken sollen.
  • Saftigere Wiesen: Während der Äußerung fält den Sprechern etwas Interessanteres ein, und so beschleunigen sie, um möglichst schnell zum neuen Thema zu kommen.
  • Zurückprallen: Die Sprecher spüren, daß ihr Sprechtempo zu langsam ist, und beim Versuch, dies zu korrigieren, sprechen sie viel schneller als beabsichtigt.

6. Falsche Freunde

Wörter, die in einer Sprache fast genauso aussehen wie in einer anderen, bedeuten nicht unbedingt das Gleiche. Man bezeichnet sie als faux amis (frz. “falsche Freunde”) - Hier einige Beispiele aus der englischen Sprache
englischer Wortschatz falsche Bedeutung richtige Bedeutung     englisch    
actual aktuell eigentlich wit Witz Intelligenz, Esprit
also also auch französ. Beispiele    
become bekommen werden ballast Ballast Schotter
cream Creme Sahne impotent impotent gebrechlich
eventually
 
eventuell
 
schließlich,
letztendlich
parole Parole Wort
genial genial freundlich Italienisch    
gift Gift Geschenk caldo kalt warm
Hose Hose Schlauch dänisch    
physician Physiker Arzt  øl (Ausspr.: Öl) Öl Bier
principally prinzipiell hauptsächlich holländisch    
sensible sensibel vernünftig brutaal brutal einfach nur: frech
where wer wo      
who wo wer      
Nicht immer (wenn auch sehr oft) deutet die Ähnlichkeit zwischen 2 Wörtern verschiedener Sprachen also auf eine enge Verwandtschaft der beiden Wörter hin.

Ein weiteres schönes Beispiel hierfür verdanke ich einer Besucherin dieser Seite. Diese hat aus beruflichen Gründen gelegentlich recht intime Fragen zu stellen. So erkundigte sie sich bei verschiedenen Personen, wie diese ihre Familienplanung betreiben.

Weil einer ihrer Gesprächspartnerinnen diese Frage nach der Art der Verhütung offensichtlich ein wenig peinlich war, flüchtete sich die (deutschsprachige) Dame ins Englische: Sie hätten "preservatives" benutzt.

      "Preservatives" sind jedoch keine Präservative, sondern Konservierungsmittel !.